Koji ist das Herzstück der Sake-Produktion. 

Ohne Koji keine Enzyme. Ohne Enzyme keine Zuckerbildung. Und ohne Proteinabbau keine Aminosäuren – die Grundlage für Umami. 

Dieser Artikel erklärt präzise: 

-Wie Koji-Reis hergestellt wird 
-Wie Umami chemisch entsteht 
-Warum Junmai-, Kimoto- und Yamahai-Stile mehr Tiefe zeigen 
-Welche Rolle Temperatur spielt 
-Wie diese Stilistik gastronomisch eingesetzt wird

Koji herstellen – 48 Stunden Präzision

Die Herstellung von Koji-Reis dauert rund 48 Stunden, anschließend ruht er weitere 24 Stunden. 

Dämpfen statt Kochen 

Der Reis wird im Koshiki gedämpft. Dadurch bleibt die Oberfläche trocken und aufnahmefähig für den Schimmelpilz Aspergillus oryzae. 

Der Koji-Raum 

Der Reis kommt in einem holzgetäfelte Raum mit etwa 32 °C und kontrollierter Luftfeuchtigkeit. Die Sporen werden traditionell mithilfe eines Seidenbeutels gleichmäßig verteilt. 

Enzymatische Umwandlung 

Der Koji-Pilz produziert Enzyme, die: 

-Stärke in Glukose umwandeln
-Proteine in Aminosäuren zerlegen 

Hier entsteht die Grundlage für die spätere Umami-Struktur.

Wie entsteht Umami im Sake? 

Umami basiert vor allem auf Glutaminsäure (Glutamat)

Durch die enzymatische Spaltung der Reisproteine entstehen freie Aminosäuren, darunter: Glutamat, Aspartat und weitere geschmacksaktive Verbindungen. 

Während der parallelen Multiplen Fermentation werden diese weiterentwickelt und stabilisiert. In Japan misst man den Aminosäuregrad (Amino-Sando) analytisch. Er gibt Aufschluss über Struktur, Fülle und Umami-Intensität.

Traditionell & Umami - Stilistik mit Tiefe und Struktur

Kategorie 

Junmai, Kimoto, Yamahai, Bodaimoto, Genshu, Spontangärung 

Eigenschaften 

Vollmundig und füllig mit deutlichen Reisnoten, gut integrierter Säure und ausgeprägter Umami-Struktur. Diese Sake entwickeln je nach Trinktemperatur – zwischen 10 °C und 55 °C – unterschiedliche geschmackliche Nuancen. Sie passen sowohl zu Sashimi als auch zu gut gewürzten Speisen, Fleischgerichten oder gereiftem Käse. 

Typische Aromen:

-Gedämpfter Reis 
-Frisches Brot 
-Banane 
-Butter 
-Joghurt 
-Kakao 
-Haselnuss

Junmai – reiner Reis, klare Struktur 

Junmai bedeutet, dass der Sake ausschließlich aus Reis, Wasser, Koji und Hefe besteht – ohne Zusatz von Braualkohol. 

Typisch sind: 

-höhere Aminosäurewerte 
-ausgeprägtere Textur 
-klare Reisprägung 

Viele Brauereien verwenden regionale Reissorten. Dadurch spiegeln Junmai-Stile häufig Herkunft und Terroir besonders deutlich wider.

Kimoto & Yamahai – natürliche Milchsäureentwicklung 

Kimoto ist eine traditionelle, arbeitsintensive Methode zur Herstellung der Grundmaische. Yamahai ist eine vereinfachte Variante dieser Technik. Beide Verfahren arbeiten mit natürlicher Milchsäureentwicklung und längerer Fermentation. 

Das Ergebnis - komplexere Mikroflora, höhere Aminosäurebildung, stabile Säurestruktur und große gastronomische Vielseitigkeit. Diese Stilistik zeigt ihre Stärke besonders in der Kombination mit umami-reichen Speisen.

Temperatur als Gestaltungsfaktor 

Strukturierte Junmai-, Kimoto- oder Yamahai-Sake reagieren sensibel auf Temperatur. 

  • 10–15 °C → präzise, klar 
  • 20 °C → strukturbetont 
  • 40–45 °C → verstärkte Wahrnehmung von Textur und Umami 
  • bis 55 °C → weichere Aromatik, rundere Struktur 

Die Temperatur beeinflusst nicht nur die Wahrnehmung von Süße und Säure, sondern auch die Präsenz der Aminosäuren.

Vertiefende Lektüre & Pairing-Wissen 

Wer die Zusammenhänge zwischen Koji, Umami und gastronomischer Anwendung vertiefen möchte, findet umfassende Hintergründe im Buch „SAKE – Mythos. Handwerk. Genuss.“ von Yoshiko Ueno-Müller. Das Werk verbindet wissenschaftliche Grundlagen mit praktischer Anwendung in der Spitzengastronomie. 

Zur direkten Umsetzung im Alltag empfehlen wir zudem unseren Leitfaden: Food Pairing leicht gemacht.  Dort zeigen wir Schritt für Schritt, wie Sie anhand von Aromastruktur, Textur und Umami-Gehalt den passenden Sake zu Ihrem Gericht finden.

Mehr über Kimoto und Yamahai Methoden lesen Sie hier.

Sake warm oder kalt?